Gefahr aus dem Duschkopf.

Warm- und Kaltwassersysteme zuverlässig vor Legionellen schützen.

Die Behörden gehen deutschlandweit von jährlich bis zu 30000 durch Legionellen verursachte Lungenentzündungen aus, von denen 1500 bis 2000 tödlich verlaufen.

Legionellen aus dem Duschkopf
Dass in den verschmutzten Straßen des Mittelalters oder den zusammengepferchten Wohnquartieren der industrialisierten Städte des 19. Jahrhunderts Krankheiten wie die Pest oder die Cholera grassierten, erscheint aus heutiger Sicht wenig verwunderlich. Viren und Bakterien verbreiteten sich aufgrund der mangelhaften hygienischen Verhältnisse in Windeseile, lange kannte die Medizin auch den Zusammenhang zwischen Mikroorganismen und Seuchen nicht. Manchmal bringt allerdings auch technischer Fortschritt neue Gesundheitsgefahren mit sich.

1976 erkrankten bei einem Treffen von US-Kriegsveteranen der „American Legion“ in Philadelphia mehrere hundert Teilnehmer an einer geheimnisvollen, medizinisch bis dahin nicht beschriebenen Krankheit. Die Patienten litten an Atembeschwerden und hohem Fieber, 34 starben daran. Die Jagd auf den „Philly Killer“ beherrschte die Titel aller großen Nachrichtenblätter. Als Erreger wurden später Bakterien ausgemacht, die dem Anlass entsprechend auf den Namen „Legionellen“ getauft wurden. Schuld an ihrer Verbreitung war die Klimaanlage des Hotels.

Legionellen, besonders die Variante Legionella pneumophila, können eine lebensbedrohliche Lungenentzündung verursachen, die als Legionellose oder Legionärskrankheit bezeichnet wird; eine weniger schwer verlaufende Form ist das grippeähnliche Pontiac-Fieber, das vor allem Husten und Erbrechen mit sich bringt. Die Ansteckung erfolgt durch das Einatmen der Bakterien.

Das kann überall dort passieren, wo legionellenhaltiges Wasser in Form feinster Tröpfchen als sogenanntes Aerosol (Sprühnebel oder Dampf) freigesetzt wird und in die Atemluft gelangt: zum Beispiel beim Duschen oder Baden, aber auch durch Kühltürme von Klimaanlagen mit Luftbefeuchtung, über Wassersysteme in Zahnarztpraxen oder bei der Arbeit mit Hochdruckreinigern. Ärzte nennen die Legionellose eine typisch neu in Erscheinung tretende Erkrankung, weil der Erreger schon immer in der Umwelt vorhanden war, aber erst durch technische Entwicklungen in intensiven Kontakt mit Menschen geraten ist.

Am liebsten warm mit Biofilm

Legionellen kommen in Flüssen und Seen natürlich vor und gelangen damit auch ins Trinkwasser. Die Anzahl der darin enthaltenen Mikroorganismen ist allerdings gering, meist findet sich weniger als „1 koloniebildende Einheit je Liter“ an Legionellen. Das hängt mit der Wassertemperatur und den Umgebungsbedingungen zusammen. Bei Temperaturen unter 20 °C, die auch im öffentlichen Wassernetz deutlich unterschritten werden, stellen die Bakterien ihren Stoffwechsel und damit ihr Wachstum ein.

Entscheidend ist, was zwischen dem Eingang der Hauswasserleitung („Point of Entry“) und der Entnahmestelle des Wassers („Point of Use“) passiert. Gefährlich wird es, wenn Legionellen die Trinkwassersysteme von Gebäuden besiedeln und sich darin stark vermehren. In Deutschland sehen die Behörden einen Wert von 100 koloniebildenden Einheiten je 100 Milliliter Wasser als kritisch an, der zwar nichts über das Infektionsrisiko aussagt, aber Handlungsbedarf signalisiert.

Legionellen unter dem Mikroskop
Ideale Wachstumsbedingungen finden Legionellen bei Temperaturen zwischen 25 und 45 °C, gesundheitlich bedrohliche Konzentrationen treten aber im Bereich von 20 bis 55 °C auf. Daher ist es problematisch, wenn Anlagen zur Warmwasserbereitung bei zu geringen Temperaturen betrieben werden: Kommt Warmwasser über eine Zirkulation aus einem zentralen Speicher, darf die Temperatur selbst im Rücklauf nicht unter 55 °C liegen. Auch eine längere Standzeit des Wassers in Leitungen und Reservoirs fördert die Vermehrung der Bakterien. Das kann bei geringem Wasserverbrauch der Fall sein oder in überdimensionierten Leitungssystemen, wenn das Gebäude durch dauerhaften oder saisonalen Leerstand weniger Nutzer hat als ursprünglich geplant. Das Einsparen von Energie und Wasser aus Umweltschutz- oder Kostengründen kann die Verbreitung von Legionellen begünstigen, besonders dann, wenn die Leitungen schlecht isoliert sind, das heiße Wasser also zu schnell abkühlt und das kalte Wasser sich zu schnell erwärmt.
Für ihr Überleben benötigen Legionellen zudem einen Biofilm, wie er sich an Grenzflächen mit hohen Keimansammlungen einschließlich Algen, Schleim, Bakterien und anderen Mikroorganismen bildet; vor allem Amöben bieten Legionellen perfekte Schutzräume. Auch organische Substanzen wie Kesselstein, Schlamm oder Rost und zersetzte Installationsteile wie Gummidichtungen fördern als Nährstoffe das Bakterienwachstum. In Gebäuden mit komplexen Leitungssystemen werden Legionellen so zum hausgemachten Problem für die Trinkwasserhygiene: in Wohnhäusern, Kindergärten und Schulen, Pflegeheimen und Krankenhäusern, Hotels, Bürogebäuden und Einkaufszentren, Sportzentren und Fitnessstudios, aber auch in Schwimmbädern, Industrieanlagen, auf Campingplätzen oder Kreuzfahrtschiffen.

In einer Reihe mit Hepatitis, Malaria oder Lepra

Das Gefährdungspotential ist hoch. Für Deutschland gehen die Behörden von jährlich bis zu 30000 durch Legionellen verursachte Lungenentzündungen aus, von denen 1500 bis v2000 tödlich verlaufen. Hinzu kommt die zehn- bis einhundertfache Zahl an Fällen von Pontiac-Fieber. In den USA werden nach Angaben der Seuchenbekämpfungsbehörde CDC pro Jahr zwischen 8000 und 18000 Menschen mit Legionellose in Krankenhäusern behandelt. Man geht von einer hohen Dunkelziffer aus, obwohl die Legionellose in den meisten Ländern eine meldepflichtige Erkrankung wie Hepatitis, Malaria oder Lepra ist. Vor allem in südeuropäischen Ländern steigen die Fallzahlen im Sommer regelmäßig an.

Legionellen sind damit der relevanteste Umweltkeim, vor dem es die Bevölkerung zu schützen gilt. In der Verantwortung stehen Haus- und Grundstücksbesitzer als Betreiber von Trinkwasseranlagen oder die von ihnen beauftragten Dienstleister, die die Gesundheit ihrer Mieter, Gäste, Bewohner, Besucher oder Mitarbeiter zu gewährleisten haben – diesem Risiko Herr zu werden ist eine große Herausforderung für Facility Manager.

In fast allen Ländern bildet eine Vielzahl von Gesetzen, Normen und technischen Empfehlungen die Grundlage für Strategien gegen Legionellen. Die Richtlinie 98/83/EG über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch verpflichtet die EU-Mitgliedstaaten, geeignete Überwachungsprogramme einzurichten.

In Deutschland schreibt die Trinkwasserverordnung seit langen für öffentliche Gebäude und seit 2011 für Mehrfamilienwohnhäuser die regelmäßige Untersuchung von Wasserproben auf Legionellen vor. Aus gutem Grund, kommen doch in Krankenhäusern und Pflegeheimen, in Kindergärten oder Schulen genau jene Menschengruppen zusammen, die besonders gefährdet sind: (chronisch) Kranke, Immungeschwächte, Ältere, Kinder. Wohnungsvermieter müssen ihre Trinkwasseranlagen alle drei Jahre überprüfen lassen, bei Hinweisen auf einen erhöhten Legionellenbefall kann das Gesundheitsamt eine Gefährdungsanalyse anordnen.

Prävention vor Dekontamination

Gebäude-Trinkwasserinstallationen müssen daher so beschaffen sein – oder bei Problemen entsprechend so verändert werden –, dass eine Vermehrung von Legionellen unter Kontrolle gehalten wird. Es gibt verschiedene technische Möglichkeiten, die Zahl der Erreger zu reduzieren oder das gesamte System bei einem massiven Befall zu sanieren. Dazu zählt die chemische Desinfektion mit Chlor oder Ozon, die Bestrahlung des Wassers mit ultraviolettem Licht, die Spülung der Leitungen oder der Rückbau wenig genutzter Leitungsabschnitte. Eine anschließende thermische Desinfektion rundet die Sanierung meist ab: Dabei wird das Wasser im gesamten System einschließlich aller Entnahmestellen einmalig oder regelmäßig für mindestens drei Minuten auf mindestens 70 °C erhitzt, wobei die Legionellen absterben – sofern sie nicht in Biofilmen auch solche Torturen überstehen.

Sinnvoller ist es wissenschaftlichen Studien zufolge, die Besiedlung von vornherein zu unterbinden. Zu den effektivsten Präventionsmaßnahmen gehört dabei, Wassertemperaturen von über 20 °C und von unter 55 °C grundsätzlich zu vermeiden. Zur kontinuierlichen Kontrolle der definierten Grenzwerte eignen sich kalibrierbare Datenlogger, die Messdaten über längere Zeiträume zuverlässig überwachen, aufzeichnen und dokumentieren.

testo 175 T3 Temperatur von Kalt- und Warmwasserleitungen messen

Mit dem speziell konzipierten Rohranlegefühler für den Datenlogger testo 175 T3 steht Gebäudeeigentümern, Facility Managern und Handwerkern jetzt eine optimierte Lösung für die Temperaturüberwachung von Kalt- und Warmwasserleitungen zur Verfügung.

Er lässt sich dank seines Federmechanismus schnell und mit nur einem Handgriff am Rohr befestigen. Durch die variable Federspannung spielt der Rohrdurchmesser dabei keine Rolle, der Fühler liegt immer fest an, was für eine genaue Messung unerlässlich ist. Die verwendete Thermoelement-Technologie realisiert kurze Latenzen: Der Sensor passt sich innerhalb kürzester Zeit der Rohrtemperatur an und registriert Temperaturveränderungen ebenfalls entsprechend schnell.

Messung bei Austritt und Wiedereintritt

Bei der Überwachung von Warmwassersträngen liegt der erste Messpunkt kurz hinter dem Wärmeerzeuger. Die Wassertemperatur darf bei Austritt am Trinkwasserspeicher nicht unterhalb von 55 °C liegen. Bei Zirkulationssystemen, deren Einsatz für Trinkwasseranlagen mit großem Speicherinhalt und Wasservolumen im Rohrsystem üblich und vielerorts auch vorgeschrieben ist, wird zudem die Wassertemperatur kurz vor Wiedereintritt des nicht verbrauchten Warmwassers überwacht; der zweite Sensor wird also an einem Punkt direkt vor Wiedereintritt der Zirkulationsleitung in den Warmwasserspeicher platziert.

Die Temperaturverteilung im Kaltwassersystem muss grundsätzlich mit in die Überwachung einbezogen werden. Die Wassertemperatur in Kaltwassersträngen darf, auch bei einer gewissen Standzeit, die Marke von 20 °C nicht erreichen. Dabei ist es wichtig, Wärmeströme auf die Kaltwasserleitung zu reduzieren, und zu überwachen, dass Temperaturerhöhungen im Warmwasserschenkel nicht gleichzeitige Temperaturerhöhungen in der Kaltwasserleitung nach sich ziehen. Sonst schafft man dort unbeabsichtigt das ideale Klima, in dem sich Legionellen vermehren können, selbst wenn die Warmwasserleitungen legionellenfrei sind. Besonders anfällig sind lange Leitungsnetze, extreme Krümmungen oder Rohrsysteme, die dicht unter sonnenbeschienenen Oberflächen verlegt sind. An kritischen Punkten, wo das Wasser längere Zeit zum Stehen kommen kann, sollte daher ebenfalls gemessen werden.

Die Temperaturüberwachung sollte für mindestens eine Woche vorgenommen werden, um die Nutzung der Trinkwassersysteme zu unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten, unter der Woche und an Wochenenden zu berücksichtigen.

Präzision, Zuverlässigkeit, Sicherheit

Der Datenlogger testo 175 T3 ist mit zwei Anschlüssen für externe Thermoelementfühler (Typ K und Typ T) bestens für diese Aufgaben geeignet. Die Sensoren erlauben die Messung, Überwachung und Aufzeichnung der Temperatur an zwei Messpunkten gleichzeitig. Die aktuellen Messwerte, die Minimal- und Maximaltemperatur sowie die eingestellten Grenzwerte werden von außen abgelesen. Das übersichtliche Display zeigt Grenzwertverletzungen deutlich erkennbar an; bei Bedarf besteht die Möglichkeit, Alarme direkt am Gerät zu quittieren.

Die Thermoelementsensoren des Datenloggers testo 175 T3 garantieren hochpräzise Messdaten und eine zu 100 Prozent zuverlässige Messung mit einer Genauigkeit von ± 0,5 °C, bei Messintervallen von 10 Sekunden bis 24 Stunden. Der nichtflüchtige Datenspeicher bietet Platz für bis zu 1 Million Messwerte. Die aufgezeichneten Messdaten können auch nach kompletter Entleerung der Batterien ausgelesen werden, bei einer Batteriestandzeit von bis zu 3 Jahren. Die Aufzeichnung im manipulationssicheren Format gewährleistet eine hohe Sicherheit und Authentizität der gesammelten Messdaten. Ein Passwortschutz verhindert Veränderungen durch Unbefugte.

Der Datenlogger testo 175 T3 kann über seine USB-Schnittstelle mithilfe eines Standardkabels zum Auslesen an einen PC angeschlossen werden. Er bietet daneben eine Datensammelfunktion über eine handelsübliche SD-Karte. Das ermöglicht die unterbrechungsfreien Aufzeichnungen, denn der Logger muss zum Auslesen nicht von der überwachten Rohrleitung entfernt werden.

Proaktiv handeln, Wassertemperatur messen

Konfiguriert wird der Logger per Software, die auch die Datenanalyse vereinfacht: Das Daten-Monitoring über einen längeren Zeitraum stellt Temperaturverläufe deutlich und nachvollziehbar dar. Die mithilfe der Testo-Software erstellten professionellen Berichte sind ein rechtssicherer Nachweis gegenüber Behörden, dass die Wassertemperaturen stets korrekt eingehalten und auf Betreiberseite alle Normen und Richtlinien beachtet wurden.

Für Eigentümer oder Facility Manager großer Gebäude kommt das Monitoring der Wassertemperaturen auch als wirtschaftlich günstigere Dauerlösung in Frage – verglichen mit den mitunter hohen Kosten für Inspektionen, Trinkwasseranalysen, insbesondere aber aufwändige Dekontaminations- und Sanierungsverfahren, die sich auf Dauer vermeiden lassen. Der Datenlogger testo 175 T3 unterstützt die Überwachung komplexer Trinkwasserinstallationen mit vielen Verteil- und Steigleitungen, Heizkreisläufen, Wärmeerzeugern und Wasserspeichern. Das vereinfacht die Qualitätssicherung und erhöht die Rechtssicherheit.

Handwerkern bietet sich die Chance auf eine höhere Wertschöpfung, wenn sie die Wassertemperaturüberwachung für einen begrenzten Zeitraum als zusätzlichen Service anbieten: Wohnungsvermietern liefert eine bei zu niedrigen Temperaturen arbeitende Trinkwassererwärmungsanlage den Hinweis auf ein drohendes Legionellenproblem. Die Anlage kann auf Basis der per Software ausgewerteten Daten optimal eingeregelt werden. Das ist effizient und spart Energie und damit Kosten – ohne die Sicherheit zu vernachlässigen.

Denn gerät ein Gebäude erst einmal ins Visier der Behörden, weil das Gesundheitsamt bei einer Probenentnahme feststellt, dass für Trinkwasser bedenkliche mikrobiologische Grenzwerte überschritten werden, oder treten gar Fälle von Legionellose unter Bewohnern oder Gästen auf, sind die Kosten sicher das geringste Problem. Abgesehen von möglichen strafrechtlichen Konsequenzen droht vor allem ein gewaltiger Imageschaden.

 

Legionellengefahr vermeiden

mit dem Temperatur-Datenlogger testo 175 T3

In Kürze

Für Facility Manager ein Muss: Die elegante Lösung eines hausgemachten Problems
 

Legionellen-Bakterien können lebensgefährliche Lungenentzündungen verursachen, die jedes Jahr Todesopfer fordern. Die Infektion erfolgt beim Inhalieren feiner Wassertröpfchen, z.B. in der heimischen Dusche, über den Wasserhahn in der Küche, aber auch über Rasensprenger oder Klimaanlagen. Die Kolonisierung von Gebäude-Trinkwasserinstallationen mit Legionellen stellt eine große Gefahr für die Gesundheit der Bewohner und Nutzer dar. Die Keime lieben Wärme und Biofilme. Wassertemperaturen über 20 und unter 55 °C in maroden Leitungen und Wärmeerzeugern gilt es zu vermeiden.

Für die Überwachung der Temperatur-Grenzwerte steht Hauseigentümern, Facility Managern und Handwerkern mit dem Datenlogger testo 175 T3 ein zuverlässiges Messgerät zur Verfügung, zu dem ein flexibler, speziell konzipierter Rohranlegefühler mit Thermoelement-Technologie erhältlich ist.

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