Wissen, was in alten Mauern steckt.

U-Wert-Messung an einer Wand mit unbekanntem Aufbau - durchgeführt vom Ingenieurbüro Bau-Expert.

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Die Berechnung des U-Wertes stellt bei Gebäuden älteren Baujahres eine messtechnische Herausforderung dar: die Wände bestehen oft aus unbekannten Baustoffen, ihre Dicke lässt sich nur schwer messen und die Besitzer können einer Bohrung zur Materialentnahme skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen. Wie Sie in einem solchen Fall mit testo 635 den U-Wert dennoch einfach und präzise messen können, erfahren Sie in dieser Referenz.

Ingenieurbüro Bau-Expert

Das Ingenieurbüro Bau-Expert aus Zwingenberg in der Nähe von Frankfurt/Main berät und diagnostiziert bei Feuchteschäden und Schimmel, erstellt bauliche Gutachten und umfassende Konzepte für energetische Sanierungen oder sonstige Modernisierungsmaßnahmen. Zum Kundenkreis des Unternehmens gehören Wohnungsbaugesellschaften ebenso wie Hausverwaltungen oder Privatkunden.
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Über einen Funkfühler wird die Außentemperatur an das testo 635 übertragen.

Über den U-Wert-Fühler wird sowohl die Temperatur der Wand als auch die Rauminnentemperatur gemessen.

Die Herausforderung.

Um die Wärmedämmfähigkeit eines Bauteils (Wand, Tür, Fenster, etc.) beurteilen zu können, ist es notwendig, dessen Wärmedurchgangskoeffizienten, den U-Wert, zu kennen. Dieser wird in W/(m²K) gemessen und resultiert aus dem Wärmestrom (in Watt = W), der durch 1 Quadratmeter (m2) Außenwand oder Fenster fließt, wenn es draußen um 1 Grad (in Kelvin = K, entspricht 1 Grad Celsius) kälter ist als innen. Je kleiner der U-Wert, umso geringer sind die Wärmeverluste durch das gemessene Bauteil.

Um grobe Annäherungswerte für diesen integralen Messwert der Gebäudebeurteilung zu erhalten, kann es ausreichen, die Dicke des entsprechenden Bauteils zu messen, den darin enthaltenen Baustoff mittels einer Untersuchungsbohrung annähernd einzuordnen und anschließend einen Standardwert aus einem spezifischen Nachschlagewerk zu entnehmen.

Diese Methode birgt jedoch eine nicht unerhebliche Ungenauigkeit, da eine exakte labortechnische Bestimmung des Baustoffs vergleichsweise teuer und langwierig ist und deswegen nur in den seltensten Fällen durchgeführt wird.

Doch was tun, wenn man die zuvor genannte Methode nicht ohne Weiteres anwenden kann und trotzdem einen möglichst exakten U-Wert benötigt? Vor diesem Problem stand auch Dipl. Ing. Martin Giebeler, Gründer und Inhaber des Ingenieurbüros Bau-Expert, als er für ein Gebäude aus dem Jahr 1970 ein Sanierungs- und Modernisierungskonzept erstellen sollte:

  • Die Wände des Gebäudes waren so angeordnet, dass man ihre Dicke nicht einfach abmessen konnte.
  • Eine thermografische Untersuchung zeigte, dass die Wände von heterogenem Aufbau waren.
  • Die Besitzer wünschten ausdrücklich, dass keine Bohrung vorgenommen wird.

Um den U-Wert unter diesen erschwerten Bedingungen bestimmen und die vorgesehenen Sanierungsmaßnahmen zügig planen zu können, entschied sich Giebeler für den Einsatz des U-Wert-Messgerätes testo 635.

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Im Messgerät testo 635 laufen die verschiedenen Temperaturen zusammen und der U-Wert wird berechnet.

Mit der Software testo ComSoft lässt sich die Entwicklung des U-Wertes in Echtzeit nachverfolgen.

Die Lösung.

Die Wand, deren U-Wert bestimmt werden sollte, war nach Norden ausgerichtet – das ist für die Messung optimal, da etwaige Sonneneinstrahlung das Messergebnis verfälschen kann und deswegen vermieden werden sollte. Die Messung wurde im Februar durchgeführt. Die Temperatur außen betrug 3 °C, innen waren es 24 °C. Eine geringe Außentemperatur und ein beheizter Innenraum sind empfehlenswert, da zwischen Innen- und Außentemperatur eine Differenz von mindestens 15 Kelvin liegen muss – je größer die Differenz, desto genauer ist das Messergebnis.

Die Außentemperatur wurde über einen Funkfühler an das Messgerät übertragen. An die Innenseite der Wand brachte Giebeler den speziellen dreiädrigen U-Wert-Fühler an. Die Rauminnentemperatur wurde über einen Temperatursensor ermittelt, der direkt im Stecker des U-Wert-Fühlers integriert ist.

Diese drei Messwerte wurden nach Start der Messung in einem einsekündigen Messtakt an das testo 635 übermittelt. Über den angeschlossenen Laptop, auf dem die Software testo ComSoft installiert war, konnten die Bau-Experten den detaillierten Messverlauf direkt vor Ort grafisch und im Zeitverlauf nachvollziehen.

Nach einer längeren Messdauer von über 90 Minuten konnten stabile Temperaturwerte aufgenommen und der U-Wert berechnet werden. Bei schwankende Umgebungsbedingungen, und wenn es der Messort zulässt, empfiehlt es sich die Messung über Nacht laufen zu lassen.

In diesem Fall lag der U-Wert mit 1.4 W/(m2K) weit über den gängigen Werten und war damit sogar noch schlechter als im Vorfeld angenommen (modern gedämmte Außenwände haben in der Regel einen U-Wert von ca. ≤ 0.24 W/(m2K)). Mit dieser Information konnte nun ein fundiertes Sanierungskonzept erstellt werden.

„Das Wärmedämmvermögen von Bauteilen zu kennen, ist sowohl für Schimmelbeurteilung als auch für Modernisierungsplanung wichtig. Numerische Simulation ist sehr aufwändig und ein Bauteilkatalog liefert nur Anhaltswerte. Gerade wenn der Wandaufbau nicht bekannt ist, bevorzugen wir deshalb die Messung mit dem testo 635. Der mehradrige Temperaturfühler, der Funkfühler und die graphische Darstellung des Messverlaufs machen die Erfassung präziser und einfacher.“

Dipl. Ing. Martin Giebeler,

Inhaber Ingenieurbüro BAU-EXPERT

Die Vorteile.

Mit dem testo 635 konnte Martin Giebeler von Bau-Expert den U-Wert einer Wand mit unbekanntem Aufbau ganz einfach messen – zuverlässig, präzise und ohne die Bausubstanz durch Bohrungen beschädigen zu müssen. Die Handhabung des Messgerätes und der Fühler funktionierte intuitiv und die Visualisierung der Messwerte in der Software testo ComSoft unterstützte die Messung effizient, so dass die Basis für die Erstellung des Modernisierungskonzeptes gelegt war.

Mehr Infos.

Alle Antworten auf Ihre Fragen zu Messlösung für die Beurteilung von Gebäuden erhalten Sie auf von unseren Experten unter 07653-681 700 oder vertrieb@testo.de.

Video - Anwendung:

 

 

28. Dezember 2017

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U-Wert-Set

Messung mit dem testo 635. Alle Vorteile auf einen Blick:

  • Einfache, normgerechte Messung des U-Werts
  • Einfaches Anbringen der Fühler auch an schwer zugänglichen Bauteilen
  • Einfache Auswertung per Software
  • Leistungsnachweis durch Protokollierung

Der U-Wert (früher k-Wert) ist der wichtigste Wert bei der wärmetechnischen Beurteilung von Bauteilen.

Der U-Wert ist der Wärmewert zur Beurteilung der Wärmedämmfähigkeit eines Bauteiles und zum Nachweis der Wärmeverluste eines Gebäudes. Mit der Angleichung der Normen in Europa gibt es den "k-Wert" nicht mehr. Ihn ersetzte der U-Wert (Wärmedurchgangs-Koeffizient). Er ist das Maß für den Wärmeverlust eines Gebäudes: Je kleiner der U-Wert (in W/m2K), desto höher die Wärmedämmung und umso geringer die Heizkosten. Näheres dazu steht in der Energie-Einsparverordnung.

Mit dem Feuchte-/Temperatur-Messgerät testo 635-2 ist die U-Wert-Bestimmung so leicht wie nie zuvor.

Zur Berechnung des U-Wertes sind drei Temperaturwerte erforderlich: die Außentemperatur, die Oberflächentemperatur der Innenwand sowie die Raumlufttemperatur.

Mit den Funkfühlern kann die Außentemperatur schnell und bequem bei geschlossenem Fenster bestimmt werden. Der Fühler wird einfach draußen positioniert und überträgt die Messwerte per Funk an das Messgerät im Raum. Mit dem U-Wert-Fühler können die beiden anderen benötigten Temperaturen mit nur einem Fühler ermittelt werden. Zur Messung der Oberflächentemperatur werden die drei Adern des U-Wert-Fühlers mit der Knetmasse an der Innenwand befestigt. Die Lufttemperatur wird über einen Sensor am Fühlerstecker ermittelt. Sobald die drei benötigten Temperaturen an das testo 635 übertragen werden, berechnet das Gerät den U-Wert und zeigt diesen direkt im Display an.

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