Messumgebung

1. Umgebungstemperatur.

Damit Ihre Wärmebildkamera die Oberflächentemperatur korrekt berechnen kann, sollten Sie neben der Einstellung des Emissionsgrades (ε) auch die Einstellung der reflektierten Temperatur (RTC) beachten.

  • Bei vielen Messanwendungen entspricht die reflektierte Temperatur der Umgebungstemperatur.
  • Bei großem Temperaturunterschied zwischen Messobjekt und -umgebung ist eine genaue Einstellung des Emissionsgrades wichtig.

2. Strahlung und Störquellen

Jedes Objekt mit einer Temperatur über dem absoluten Nullpunkt (0 Kelvin = - 273,15 °C) sendet infrarote Strahlung aus. Objekte, die eine große Temperaturdifferenz zum Messobjekt aufweisen, können die Infrarot-Messung aufgrund ihrer eigenen Strahlung stören. Solche Störquellen sollten Sie, wenn möglich, vermeiden bzw. abschalten.

  • Schirmen Sie die Störquellen z. B. mit einer Leinwand oder einem Karton ab.
  • Die reflektierte Strahlung können Sie z. B. mit einem Lambert-Strahler in Verbindung mit Ihrer Wärmebildkamera messen.

3. Wetter

Bewölkung

Infrarot-Messungen im Freien am besten bei dicht bewölktem Himmel durchführen. Der Grund: Das Messobjekt wird von Sonneneinstrahlung und „kalter Himmelsstrahlung“ abgeschirmt.

Niederschlag

Wasser, Eis und Schnee besitzen einen hohen Emissionsgrad und sind undurchlässig für Infrarot-Strahlung. Zudem kann die Messung nasser Objekte zu Messfehlern führen, da sich die Oberfläche des Messobjekts bei Verdunstung abkühlt.

Merke: Starker Niederschlag (Regen, Schnee) kann das Messergebnis verfälschen.

4. Luft / Luftfeuchtigkeit

Wenn die Linse (bzw. das Schutzglas) der Wärmebildkamera durch eine hohe relative Luftfeuchtigkeit beschlägt, kann die Infrarot-Strahlung nicht vollständig empfangen werden. Durch das Wasser gelangt die Strahlung nicht vollständig auf die Linse der Infrarotkamera. Auch sehr dichter Nebel kann die Messung beeinflussen, denn die Wassertröpfchen in der Übertragungsstrecke lassen weniger Infrarot-Strahlung durch.

Merke: Achten Sie auf eine niedrige relative Luftfeuchtigkeit in der Messumgebung. So können Sie Kondensation in der Luft (Nebel), am Messobjekt, am Schutzglas oder der Linse der Wärmebildkamera vermeiden.

Luftströmungen

Durch den Wärmeaustausch (Konvektion) besitzt die Luft nahe der Oberfläche die gleiche Temperatur wie das Messobjekt. Bei Wind oder Luftzug wird diese Luftschicht „weggeweht“ und eine neue, nicht an die Temperatur des Messobjekts angepasste Luftschicht befindet sich an ihrer Stelle. Durch die Konvektion wird dem warmen Messobjekt Wärme entzogen bzw. dem kalten Messobjekt Wärme zugeführt, bis sich die Temperaturen von Luft und Messobjektoberfläche aneinander angeglichen haben. Dieser Effekt des Wärmeaustausches vergrößert sich mit der Temperaturdifferenz zwischen der Messobjektoberfläche und der Umgebungstemperatur.

Merke: Wind bzw. der Luftzug im Raum kann die Temperaturmessung mit der Wärmebildkamera beeinflussen.

Luftverunreinigungen

Einige Schwebestoffe wie z. B. Staub, Ruß, Rauch, sowie manche Dämpfe besitzen einen hohen Emissionsgrad und sind kaum transmissiv. Das heißt, sie können die Messung beeinträchtigen, da sie selbst Infrarot-Strahlung aussenden, die von der Wärmebildkamera empfangen wird. Zusätzlich kann die Infrarot-Strahlung des Messobjekts nur zum Teil bis zur Wärmebildkamera durchdringen, da sie von den Schwebestoffen gestreut und absorbiert wird.

5. Licht

Licht oder Beleuchtung spielen bei der Messung mit einer Wärmebildkamera keine nennenswerte Rolle. Sie können auch im Dunkeln messen, da die Wärmebildkamera langwellige Infrarot-Strahlung misst. Einige Lichtquellen senden jedoch selbst infrarote Wärmestrahlung aus und können so die Temperatur von Objekten in ihrer Umgebung beeinflussen.

  • Messen Sie nicht bei direkter Sonneneinstrahlung oder in der Nähe einer heißen Glühbirne.
  • Kalte Lichtquellen, wie z. B. LEDs oder Neonleuchten, sind unkritisch: Sie wandeln den Großteil der eingesetzten Energie in sichtbares Licht und nicht in Infrarot-Strahlung um.

Theoretische Grundlagen der Thermografie

Erfahren Sie in unserem kompakten Tutorial mehr über die physikalischen Grundlagen der Thermografie. Ein echter Vorteil um z. B. für jede Oberfläche den richtigen Emissionsgrad einzustellen.