Im modernen Haus- und Wohnungsbau verschwinden die meisten technischen Installationen hinter Wänden, unter Putz oder im Estrich. Was optisch ansprechend ist, birgt ein Risiko: Undichtigkeiten bei Gas- und Wasserleitungen, die erst spät erkannt werden. Deshalb gilt es, Leitungen vorher ordentlich zu prüfen. Eine lecke Gasleitung stellt eine akute Explosions- und Vergiftungsgefahr dar, während eine undichte Wasserleitung zu schleichenden, aber massiven Bauschäden durch Feuchtigkeit und Schimmel führt. Um genau das zu verhindern, sind professionelle Druckprüfungen vor der Inbetriebnahme gesetzlich vorgeschrieben und ein fundamentaler Bestandteil der Qualitätssicherung am Bau. Man unterscheidet hierbei primär zwischen der Belastungsprüfung (auch Vorprüfung) und der Dichtheitsprüfung (auch Hauptprüfung).
Die Belastungs- und Dichtheitsprüfungen lassen sich mit verschiedenen Prüfmedien durchführen. Gemein haben sie, dass es sich um Druckprüfungen handelt, weshalb hier im Fachjargon auch vom „Abdrücken“ gesprochen wird. Dabei wird kontrolliert Druck auf eine Leitung gegeben und es werden eventuelle Druckabweichungen über einen vorher bestimmten Testzeitraum aufgezeichnet. Die Toleranzen für Abweichungen sind dabei in der Regel sehr gering. Kleinste Abweichungen können auf Umweltbegebenheiten zurückgeführt werden, etwa Temperatur und Luftdruck.
Diese Druckprüfungen sichern SHK-Schaffende im Falle eines späteren Lecks rechtlich ab. War die Druckprüfung zum Zeitpunkt der Abnahme erfolgreich, sollte ein entsprechendes Prüfprotokoll angefertigt und vom Handwerker sowie vom Auftraggeber unterschrieben werden. Spätere Leckagen lassen dann entweder den Schluss auf Materialfehler oder auf Beschädigungen durch Objektnutzer zu und nehmen den Installateur somit aus der Haftung – zumindest solange keine anderen Fehler gemacht wurden, etwa was die Lagerung oder Sichtprüfung des Baumaterials betrifft.
Gasleitungen: Die Dichtheit ist ein nicht verhandelbares Sicherheitskriterium. Die Technische Regel für Gasinstallationen (DVGW Arbeitsblatt G 600 TRGI) legt in Deutschland die genauen Anforderungen fest, um die Sicherheit von Gasinstallationen zu gewährleisten.
Wasserleitungen: Hier geht es primär um den Schutz der Bausubstanz vor Wasserschäden und die Sicherstellung der Trinkwasserhygiene gemäß DIN EN 806-4.
Neben dem Installateur dient die erfolgreiche Prüfung auch als rechtliche Absicherung für Bauherren in Form der Abnahme und ist typischerweise Voraussetzung für den Versicherungsschutz.
Der ideale Zeitpunkt für die Erstprüfung ist nach Abschluss der Rohinstallation, aber bevor die Leitungen verdeckt werden, etwa durch Estrich, Putz oder Trockenbauwände. Nur so können eventuelle Undichtigkeiten noch ohne Zerstörungsarbeiten behoben werden.
Muss eine Prüfung bei einer bestehenden Installation in einem bereits fertiggestellten Objekt durchgeführt werden, gibt es einiges zu beachten. Gegebenenfalls müssen Verbrauchsgeräte, Armaturen oder Zwischen- sowie Sicherheitsgeräte dafür ausgebaut werden.
Eine einmalige Prüfung reicht oft nicht für die gesamte Lebensdauer einer Immobilie. Insbesondere bei Altbauten, die schon mehrere Jahrzehnte bestehen und immer wieder technisch verändert werden müssen, sind weitere Prüfungen in der Regel notwendig. Erneute Prüfungen sind angezeigt:
Bei wesentlichen Änderungen: Werden Leitungen substanziell verändert oder erweitert, ist eine erneute Prüfung der betroffenen Abschnitte erforderlich.
Nach Reparaturen: Jede Reparatur an einer dichten Leitung muss mit einer anschließenden Dichtheitsprüfung validiert werden.
Bei Gas in Form regelmäßiger Kontrollen: Bei Gasleitungen ist zusätzlich alle 12 Jahre eine Gebrauchsfähigkeitsprüfung der in Betrieb befindlichen Anlage verpflichtend. Seit 2018 sind Eigentümer hierfür verantwortlich – auch, wenn sie eine Anlage ganz oder teilweise einem Dritten zur Miete oder Benutzung überlassen. Was wenige Eigentümer wissen: Auch eine jährliche Sichtkontrolle der gesamten Anlage sowie deren Dokumentation ist verpflichtend.
Während Gasleitungen grundsätzlich „trocken“ mit Hilfe von Luft oder Inertgas geprüft werden, hat man bei Trinkwasserinstallationen die Wahl zwischen der traditionellen nassen Prüfung mit Wasser und der modernen trockenen Prüfung mit Luft oder Inertgas.
Die nasse Prüfung ist der Klassiker der Dichtheits- und Belastungsprüfung. Sie wurde viele Jahre lang standardmäßig angewendet und wird auch heute noch genutzt, ganz nach dem Motto: Never change a running system.
Vorteile: Die nasse Druckprüfung simuliert die realen Betriebsbedingungen, da Wasser beinahe inkompressibel ist und selbst kleinste Haarrisse aufzeigen kann. Zudem ist der Wasseraustritt sichtbar und fühlbar. Der Zeitaufwand für die Dauer der Druckprüfung mit Wasser ist zudem in den meisten Fällen kürzer als mit Luft oder Gas.
Nachteile: Wenn das Wasser nach der Prüfung in der Leitung stagniert, beispielsweise bei langen Bau-Stillstandszeiten, entsteht ein idealer Nährboden für Bakterien wie Legionellen und damit ein ernsthaftes Hygienerisiko. Dies gilt insbesondere bei Temperaturschwankungen über 25° C. Tritt ein größeres Leck auf, kann es schnell zu einem Wasserschaden kommen, der die weiteren Bauschritte verzögert. In der kalten Jahreszeit können nicht entleerte Leitungen auffrieren.
Diese Methode wird in Deutschland, beispielsweise laut ZVSHK-Merkblatt, für Trinkwasserleitungen stark empfohlen, insbesondere wenn die Anlage nicht sofort in Betrieb genommen wird. Bei Verwendung eines Kompressors für die Prüfung, insbesondere bei größeren Systemen und der Belastungsprüfung mit einem Prüfdruck von 3 bar, muss dieser unbedingt ölfreie Druckluft bereitstellen können. Außerdem ist zu beachten, dass sich in der komprimierten Luft im Tank Mikroorganismen entwickeln können. Hier gilt es, sich über Filtermöglichkeiten zu informieren.
Vorteile: Im Vergleich zur nassen Prüfung, ist die trockene hygienisch weniger bedenklich. Zudem lassen sich Lecks zerstörungsfrei finden, da eventuelle Wasserschäden ausgeschlossen sind. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Einsatz von Luft oder Inertgas Korrosion in teilentleerten Leitungen verhindert.
Nachteile: Da Luft um ein Vielfaches stärker komprimierbar ist als Wasser, kann sich bei unsachgemäßer Prüfungsausführung sehr schnell eine große Menge Energie freisetzen. Versagt ein Bauteil unter zu hohem Druck, kann das mitunter tödlich enden. Daher sind die Prüfdrücke bei Luftprüfungen streng begrenzt und unbedingt zu beachten. Bei Rohren unter DN 50 gilt üblicherweise ein maximaler Prüfdruck von 3 bar, bei Rohren zwischen DN 50 und 100 ein maximaler Prüfdruck von 1 bar.
Obwohl die Begriffe oft synonym verwendet werden, testen sie unterschiedliche Dinge. Die Reihenfolge der Prüfungen bei Gas- und Wasserleitungen ist genau umgekehrt. Wichtig ist, dass bei bestehenden Systemen unbedingt darauf geachtet werden muss, welche Teile vor den jeweiligen Prüfungen eventuell wieder entfernt werden müssen – zum Beispiel Verbrauchsgeräte oder Zwischengeräte, die einem erhöhten Prüfdruck nicht standhalten und dadurch kaputtgehen würden oder Sicherheitsgeräte, die eventuell abriegeln und damit eine umfassende Druckprüfung des Rohrsystems behindern.
Das Ziel der Belastungsprüfung bzw. Vorprüfung von Gasleitungen ist, die Festigkeit der verbauten Rohre und Verbindungen zu testen und zwar bevor Armaturen montiert sind. Sind bereits Armaturen montiert, müssen diese mindestens dem Prüfdruck standhalten oder für die Prüfung abmontiert werden.
Geeignetes Prüfmedium: Luft oder Inertgas (niemals Sauerstoff).
Druck: 0,1 MPa (1 bar).
Dauer: 10 Minuten Stabilisierungszeit und mindestens 10 Minuten Prüfzeit, in denen der Druck nicht fallen darf.
Anforderungen Messgerät: Mindestauflösung von 100 hPa.
Bei der Dichtheitsprüfung bzw. Hauptprüfung wird die Dichtheit der gesamten Installation inklusive Armaturen geprüft. Die Gasgeräte sollen dabei nicht angeschlossen sein.
Medium: Luft oder Inertgas.
Druck: 150 hPa (150 mbar).
Dauer: Abhängig vom Leitungsvolumen. Bei unter 100 Litern 10 Minuten Anpassungszeit + 10 Minuten Mindestprüfdauer. Bei 100 bis unter 200 Litern 30 Minuten Anpassungszeit und 20 Minuten Mindestprüfdauer. Bei über 200 Litern 60 Minuten Anpassungszeit und 30 Minuten Mindestprüfdauer. In der angegebenen Zeit darf der Druck nicht fallen.
Anforderungen Messgerät: Mindestauflösung von 0,1 hPa.
Beispielhafte Anschlusszeichnung für Belastungs- und Dichtheitsprüfung
Bei der Trockenprüfung von Trinkwasserleitungen wird die Dichtheitsprüfung vor der Belastungsprüfung durchgeführt. Ziel ist es, die Dichtheit der Verbindungen bei niedrigem Druck zu testen.
Geeignetes Prüfmedium: Luft oder Inertgas (niemals Sauerstoff), wobei inertes Gas vor allem für Anwendungen mit besonders hohen Hygieneansprüchen empfohlen wird.
Druck: 150 mbar.
Dauer: Abhängig vom Leitungsvolumen. Bei bis zu 100 Litern beträgt die Prüfzeit 120 Minuten und verlängert sich pro weiteren 100 Litern um jeweils 20 Minuten, um auch kleine Lecks zuverlässig zu finden.
Mit der anschließenden Belastungsprüfung soll getestet werden, ob die ausreichende Festigkeit der Installation gewährleistet ist.
Medium: Luft oder Inertgas
Druck abhängig von der Nennweite: 3 bar bei < DN 50 oder 1 bar bei DN 50-100.
Dauer: 10 Minuten.
Beispielhafte Anschlusszeichnung für Dichtheitsprüfung mit Luft
Kommt die klassische Abdrückmethode mit Wasser zum Einsatz, muss sichergestellt sein, dass zwischen Prüfung und Inbetriebnahme regelmäßig und mindestens alle sieben Tage das Wasser gewechselt wird. Außerdem sollten Leitungen vollgefüllt sein und die Befüllung unter hygienisch einwandfreien Zuständen stattfinden. Das gilt sowohl für die Wasserqualität als auch für das Befüllgerät selbst. Ebenso wie bei der Trockenprüfung von Trinkwasserleitungen, muss die Dichtheitsprüfung vor der Belastungsprüfung durchgeführt werden, sofern in den zu prüfenden Leitungen Pressverbindungen zum Einsatz kommen. Diese Vorschrift findet sich für Deutschland im ZVSHK-Merkblatt zu Dichtheitsprüfungen bei Trinkwasserleitungen.
Die Druckprüfung von Trinkwasserinstallationen wird in DIN EN 806-4 geregelt. Darin finden sich verschiedene Anforderungen an das Verfahren, die abhängig von der Art des Werkstoffes der Leitungen sind. Hintergrund ist, dass sich verschiedene Werkstoffe unterschiedlich ausdehnen.
| Art des Werkstoffes | Verfahren |
| Linear elastische Werkstoffe (d. h. Metalle) | A |
| Elastische Werkstoffe (PVC-U, PVC-C usw.) sowie Mehrschichtverbundwerkstoffe | A |
| Viskoelastische Werkstoffe (d. h. PP, PE, PE-X, PA, PB usw.) mit DN/OD ≤ 63 | A |
| Viskoelastische Werkstoffe mit DN/OD > 63 (d. h. PP, PE, PE-X, PA, PB usw.) | B oder C |
| Kombiniertes System mit DN/OD ≤ 63 (Metalle und Kunststoffe) | A |
| Kombiniertes System mit DN/OD > 63 (Metalle und Kunststoffe) | B oder C |
| Verfahren | Prüfdruck | Prüfzeit |
| A | 1.1-fachen des höchsten Betriebsdrucks | 10 Minuten |
| B Teil 1 | 1.1-fachen des höchsten Betriebsdrucks | 30 Minuten |
| B Teil 2 | auf 0.5-fachen Prüfdruck abzusenken | 30 Minuten |
| C Teil 1 | 1.1-fachen des höchsten Betriebsdrucks | 30 Minuten |
| C Teil 2 | Basierend auf Teil 1 darf max. um 0.6 bar sinken | 30 Minuten |
| C Teil 3 | Basierend auf Teil 2 darf max. um 0.2 bar sinken | 2 Stunden |
Eine Prüfung ist nur so gut wie ihre Dokumentation. Jede durchgeführte Belastungs- und Dichtheitsprüfung muss lückenlos protokolliert werden. Dieses Prüfprotokoll ist ein rechtsgültiges Dokument, das für die Bauabnahme, die Übergabe an den Eigentümer und im Versicherungsfall unerlässlich ist.
Verschiedene Verbände und Hersteller, wie der DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V.) oder die Firma Viega, bieten hierfür kostenfreie Vorlagen als PDF an, die den gesamten Prüfprozess standardisiert erfassen und sich auch für die Ausgabe in Kopie an Kunden eignen.
Das Protokoll über Belastungs- und Dichtheitsprüfung für Gasleitungen des DVGW gibt es hier zum Download.
Das Druckprobenprotokoll für Trinkwasseranlagen von Viega gibt es als Download für die nasse und die trockene Methode.
Fällt der Druck während der Prüfung ab, beginnt die eigentliche Arbeit: die Leckortung. Die Leitung muss repariert und die Prüfung vollständig wiederholt werden.
Geruch: Erdgas wird ein Geruchsstoff beigemischt, ein sogenanntes Odoriermittel, um Lecks riechbar zu machen und Objektnutzer zu warnen. Da Gerüche aber nicht immer direkt örtlich zugeordnet werden können, empfiehlt sich häufig eine der anderen Methoden zur Leckortung.
Lecksuchspray: An zugänglichen Verbindungen wie Verschraubungen und Armaturen bildet das Spray bei Gasaustritt sichtbare Blasen.
Gas-Lecksuchgeräte: Hochempfindliche elektronische „Schnüffler“ wie der testo 316-EX können die Gaskonzentration in der Luft messen und die Quelle lokalisieren, indem man die Sonde an der Leitung entlangführt.
Tracergas: Bei verdeckten Leitungen wird das System mit einem speziellen, ungefährlichen Prüfgas (Formiergas, oft Wasserstoff-Stickstoff-Gemisch) gefüllt. Mit einem feinen H2-Sensor kann das Gas dann selbst durch Estrich oder Mauerwerk hindurch aufgespürt werden.
Akkustische Ortung: Mit empfindlichen Mikrofonen kann das Zischen der entweichenden Luft geortet werden.
Lecksuchspray: Wie bei Gasleitungen für sichtbare Verbindungen.
Tracergas: Auch hier ist die Ortung mittels Tracergas die präziseste Methode für verdeckte Leitungen.
Gas-Lecksuchgeräte (unter Voraussetzungen): Sofern die Prüfung der Wasserleitung mit einem Inertgas erfolgt, kann auch dieses mit einem Gas-Lecksuchgerät erkannt werden.
Die Gebrauchsfähigkeitsprüfung ist bei der Wiederinbetriebnahme einer Gasinstallation relevant und muss außerdem mindestens alle 12 Jahre durch den Eigentümer eines Objekts durchgeführt werden. Mehr zu Gebrauchsfähigkeitsprüfung haben wir in einem anderen Blogartikel aufbereitet.
Praxis-Fibel
Dichtheitsprüfungen an Gas- und Wasserleitungen.
Zur Fibel
Webinar-Aufzeichnung:
Messungen nach TRGI 2018
Mit dem testo 324.
Zum Webinar
Lernvideos: Theorie & Praxis für Messungen an Gas- und Wasserinstallationen
Fünfteilige Video-Serie.
Zu den Lernvideos
Das Leckemengenmessgerät testo 324
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Produktinfos
Video: Dichtheits- und Belastungsprüfung
Gezeigt an Trinkwasserleitungen von Marco Rzeski
Auf YouTube anschauen