Wer in Heizungskellern, an Etagenheizungen, Pelletlagern und Pelletöfen oder in schlecht belüfteten Schächten seine Arbeit verübt, befindet sich im Risikobereich für Kohlenstoffmonoxid-Vergiftungen. Dass die tödlich ausgehen können, lässt sich in der traurigen Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamts ablesen: ca. 500 Menschen sterben in Deutschland jährlich an einer CO-Vergiftung. Durchschnittlich 3500 Menschen werden aufgrund einer Vergiftung pro Jahr stationär behandelt. Bis zur vollen Genesung dauert es manchmal bis zu zwölf Monate. Das muss alles nicht sein.
In diesem Artikel schauen wir uns die Gefahrenherde für SHK-Schaffende genauer an und leisten einen Beitrag zur Aufklärung über ein Risiko im Arbeitsbereich, das vom Gesetzgeber bisher nicht näher bedacht wurde. Es existiert bis dato nämlich kein Gesetz, das an Gefahrenorten stationäre oder im Arbeitseinsatz mobile CO-Warnmelder vorschreibt.
Um einzuschätzen, wie im SHK-Handwerk mit dem Thema CO-Vergiftungsgefahren umgegangen wird, haben wir verschiedenen Betrieben Fragen zu folgenden Themenbereichen geschickt:
Aufklärung zum Thema Gefahren durch Kohlenstoffmonoxid im Betrieb
Erfahrungen mit CO-Vergiftungen
Einsatz von CO-Warnmeldern
Vorschläge für politische Maßnahmen zur Risikoreduktion
Die Rückmeldungen hatten überwiegend den Tenor, dass man keine Probleme sehe oder keine Zeit habe, Fragen zu beantworten. Das deutet einerseits darauf hin, dass sich mit dem Thema kaum beschäftigt wird, aber andererseits auch darauf, dass im Arbeitsalltag verhältnismäßig wenig passiert. Letzteres bietet zwar Grund zur Freude, sollte aber nicht dazu führen, das Thema auf die leichte Schulter zu nehmen. Die allgemeinen, ernsthaften Gefahren des Gases haben wir in unserem Artikel „Unsichtbar, geruchlos, unterschätzt – Kohlenmonoxid im Heizungskeller“ schon ausgiebig behandelt.
Auch im Zuge unserer regelmäßigen Webinare zu verschiedenen Themen aus dem SHK-Handwerk haben wir die Teilnehmer zum Thema Kohlenmonoxid befragt. Eine weitere Umfrage haben wir in Zusammenarbeit mit Bruno Friedmann auf Instagram durchgeführt, der dort unter dem Namen „nample“ aktiv ist und über 292.000 Follower zählt. Von insgesamt 532 Befragten sind sich 487 und damit 91,5 % derselben dem Risiko durch CO-Vergiftungen bewusst. Gleichzeitig tragen nur 138 (25,9 %) davon einen CO-Warner.
Über eine Umfrage und sogenannte Storys zum Thema in Kooperation mit Friedmann auf Instagram erreichten uns hauptsächlich Kommentare, die ebenfalls darauf schließen lassen, dass das Thema in vielen Betrieben bisher keine besondere Beachtung findet. Die Antworten reichten von: „Hatte ich noch nie davor gesehen und bin seit Jahren im Kundendienst“ über „gibt es in unserem Betrieb nicht“ bis hin zu „absolut überbewertet, braucht kein Mensch“.
Andreas Kreuz ist Kundendiensttechniker und stellvertretender Geschäftsführer bei der Andreas Matt Haustechnik GmbH aus Titisee-Neustadt. Er hat unsere Fragen beantwortet und erzählt: „Wir weisen im Zuge der jährlichen Arbeitsschutzunterweisungen auf die Gefahren durch Kohlenstoffmonoxid hin“. Zu den Erfahrungen mit CO-Vergiftungen berichtet er uns, dass ein Kollege wegen eines defekten CO-Warners in einem Pellet-Erdtank nicht gewarnt wurde. „Ihm wurde schwindlig, aber die Situation ist glimpflich ausgegangen,“ erzählt Kreuz. Bei Haustechnik Matt tragen alle Mitarbeiter, die im Biomasselager oder in Schächten arbeiten einen CO-Warner bei sich. So minimiert das Unternehmen das Risiko für Unfälle und Ausfallzeiten und schützt die Mitarbeiter aktiv. Kreuz findet, dass „leider immer wieder zu leichtsinnig mit dem Thema umgegangen“ werde und die Politik ein Gesetz auf den Weg bringen sollte, das „in jedem Biomasselager, Heizraum und an Feuerstätten einen CO-Warner vorschreibt“.
Ein Grund, warum das Thema CO-Gefahr in vielen Betrieben aus der Heizungstechnik eher belächelt wird sind die Abgasüberwachungseinrichtungen, die an jedem modernen Brenngerät im Heizungskeller und anderswo vorhanden sein müssen. Die Sicherheitseinrichtung sorgt dafür, dass die Anlage nach zwei Minuten abschaltet, wenn es Abgasstörungen gibt. Wenn Kohlenstoffmonoxid und andere Abgase nicht richtig über den Kamin entweichen, kommt es zu einer solchen Abgasstörung. Die Sicherheitseinrichtungen sind ausfallsicher konzipiert. Das heißt: Ist die Abgasüberwachung defekt, geht die Gasheizung nicht an. Wozu also einen CO-Warner anschaffen?
Wie sich im Gespräch mit Andreas Kreuz schon gezeigt hat, geht das Risiko von CO-Vergiftungen mitnichten nur von Heizbrennern aus. In den letzten Jahren wurde immer wieder auf die Gefahr von Pelletlagern hingewiesen. Bei falscher Lagerung können frische Pellets beträchtliche Mengen an CO produzieren. Entsprechende Räume müssen deshalb belüftet sein und sollten zur Sicherheit mit einem CO-Melder ausgestattet sein. Schauen wir uns die Gefahrenquellen genauer an.
Zum Thema Pelletlagerung stellt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung eine PDF einer Studie aus 2017 bereit . Die Autoren haben an verschiedenen Orten entlang der Pellet-Lieferkette Messungen an Lagerstätten vorgenommen. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass die Pellets mit zunehmendem Alter weniger CO ausstoßen, aber auch bei Lagerräumen von Endverbrauchen teilweise erhöhte CO-Konzentrationen nachgewiesen werden konnten.
Im Heizungskeller besteht vor allem an sehr sonnigen Tagen oder bei starkem Wind eine Gefahr durch Kohlenmonoxid, weil die Abluft nicht ordnungsgemäß durch den Kamin emporsteigt. Auch Verstopfungen des Kamins durch Vogelnester oder Lecks im Abgassystem sind hier klassische Probleme. Obwohl die meisten Brenngeräte in den Kellern der Endverbraucher heutzutage mit einem Abgassensor ausgestattet sein sollten, gibt es dafür keine Garantie. Basteleien durch Eigentümer oder Mieter oder eben doch eine Uralt-Heizung können nicht ausgeschlossen werden. Damit besteht immer ein Restrisiko.
Auch Etagenheizungen werden in Verbindung mit CO-Gefahren immer wieder angeführt. Die raumluftabhängigen Gasbrenner sollten zwar auch mit einem Abgassensor ausgestattet sein, aber sind teilweise sehr alt, da sie insbesondere im Bestand vorkommen. Ist das Verbrennungsraumluftvolumen nicht ausreichend, kann es auch hier zu empfindlichen CO-Konzentrationen im Aufstellraum und angrenzenden Räumen kommen. Berichte über tödliche CO-Vergiftungen aufgrund von Etagenheizungen finden sich zum Glück selten, aber es gibt sie. Insbesondere nach baulichen Veränderungen, beispielsweise durch eine neue Dunstabzugshaube mit Abluft oder neue Fenster, kann es zu Verschiebungen im Raumluftvolumen kommen.
Undichte Abgasleitungen in schlecht belüfteten Installationsschächten bergen ebenfalls das Risiko einer CO-Vergiftung. Defekte Dichtungen, Korrosion und alte Luft-Abgas-Systeme können dafür sorgen, dass sich ein gesamter Schacht mit CO füllt. Der Techniker, der den Schacht zur Wartung betritt, begibt sich dann unwissend in Lebensgefahr.
Da CO sich ähnlich wie Luft verhält, kann dieses auch durch Decken und Wände diffundieren. Aus diesem Grund räumen Feuerwehren bei einem CO-Einsatz in der Regel auch angrenzende Wohnungen zur Abklärung der CO-Konzentration. Diese Eigenschaft des unsichtbaren und geruchlosen Gases bietet Handwerkern mit CO-Warnmelder eine Chance, Probleme mit dem Gefahrstoff zu erkennen, bevor sie sich in einen kontaminierten Raum und damit in die Hauptgefahrenzone begeben.
Ein CO-Warner ist kompakt, kostet nicht die Welt, ist sehr einfach in der Handhabung und reduziert das Risiko einer Vergiftung auf ein Minimum. Das sind alles gute Argumente für die eigene Gesundheit und die der Mitarbeiter. Natürlich kann man sagen: „Das Risiko ist sehr gering, deshalb brauchen wir das nicht“. Wenn dann doch etwas passiert, hätte man sich hinterher immer lieber anders entschieden, selbst wenn es „nur“ dazu geführt hat, dass ein Kollege oder man selbst zur Abklärung ins Krankenhaus gefahren wurde.
Das Risiko mag zwar gering sein, ist aber dennoch ebenso real wie vielfältig. Die Umfrageergebnisse und die gängige Praxis zeigen eine gefährliche Lücke zwischen Risikobewusstsein und persönlicher Schutzausrüstung. Ein mobiler CO-Warner ist eine kleine Investition in die eigene Gesundheit und die der Mitarbeiter. Für SHK-Betriebe ist es ein aktiver Beitrag zur Erfüllung ihrer Fürsorgepflicht, für den einzelnen Handwerker ist es die eigene, unmittelbare Lebensversicherung. Außerdem sollten regelmäßige Unterweisungen zum Thema stattfinden, die auf die Gefahrenquellen hinweisen und ein Bewusstsein dafür entwickeln.
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Zum Praxisratgeber:
Unsichtbar, geruchlos, unterschätzt – Kohlenmonoxid im Heizungskeller
Was ist Kohlenmonoxid (CO)?
Wie wirkt CO im Körper?
Was tun bei einer Vergiftung?
Zum Blog-Beitrag: